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Michael und ich lernten uns am 5. November 1996 in Indien kennen, wo mein Mann mir nach wenigen Stunden einen Heiratsantrag machte. Ich hatte zu meinem eigenen Erstaunen „ja“ gesagt und so heirateten wir anfangs 1997. Ein Ehepaar, das sich noch fast fremd war, jedoch tief drinnen spürte, dass eine Basis da war, auf der wir aufbauen konnten. Romantiker (dazu gehören wir wohl auch) würden es „Liebe auf den ersten Blick“ nennen.

Wenn uns Mitmenschen fragen, was unser Partnerschafts-Glück-Rezept sei, weise ich sie auf unser tägliches Tee-Ritual hin. Mit sehr wenigen Ausnahmen, sitzen mein Mann und ich täglich nach der Arbeit gemeinsam mit einer Tasse Tee an den Küchentisch (oder auf Reisen auch mal in den Sand) und lassen den Tag Revue passieren. Wir hören einander zu, fragen nach, zeigen Verständnis und dann lassen wir los, was gewesen ist.

Als unsere Kinder kleiner waren, machten sie oft beim Ritual mit. Jedoch galten auch für sie die gleichen Regeln: Du wartest, bis du dran bist, du hörst zu und du trinkst Tee.

Tee trinken wir immer noch täglich, aber es ist in unserer Beziehung noch ein weiteres Partnerschafts-Glücks-Rezept hinzugekommen: Das Malen nach Zahlen. Als mich Michael zum ersten Mal fragte, ob ich das kennen täte, brachte ich gleich irgendwelche Kindheitserfahrungen hervor. Kennen wir das nicht alle? „Nein, nein“, meinte er, er spreche von der Version für Erwachsene. Ich begann zu googlen und wurde bei orellfüssli fündig. Tatsächlich schien es so ein Hobby für Erwachsene zu geben, inklusive cooler Vorlagen, zum Teil Kopien von berühmten Bildern. Spontant bestellten wir uns so eine Box.

Wir waren freudig überrascht, als wir sie öffneten: Die Vorlage kam mit einer Anleitung, mit allen bereits vorgemischten und nummerierten Farben und mit einem Pinsel. Wir konnten umgehend beginnen. So malten wir jeden Abend eine bis zwei Stunden, sassen uns dabei gegenüber und das Bild nahm Gestalt an. Manchmal sprachen wir, manchmal schwiegen wir gemeinsam. Nach rund drei Wochen betrachteten wir stolz unser erstes Gemälde. Unglaublich, dass wir das gemeinsam geschaffen hatten!

Was für ein cooles Gefühl.

Im Katalog der Firma Schipper entdeckten wir, dass man auch eigene Porträts als Malvorlage bestellen konnte. Man musste einfach ein Bild einsenden und schon erhielt man die Vorlage mitsamt der Farben. Ohne zu zögern beschlossen wir, die geliebten Hunde einer guten Freundin zu malen und ihr das Bild zu schenken.

Es ist nicht immer einfach, die winzigen Felder mit Farbe zu füllen. Manchmal braucht es keinen Pinsel, sondern einen Zahnstocher.

Unser nächstes Projekt, ein Bild für unseren jüngeren Sohn, steht bereits in der Pipeline. (-: