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Seit meiner späten Jugendzeit investiere ich Energie und Zeit in meine persönliche Entwicklung; mal mehr, mal weniger. Wie bei einem Puzzle passen die einzelnen Meilensteine zusammen: Einige bringen mich ein paar Schritte vorwärts, andere bringen mich zum Hinfallen und neu Aufstehen. Bis vor kurzem habe ich die persönliche Entwicklung linear verstanden. Oft gesprochenen Sätzen wie „Der/die ist schon weiter.“ oder „Ich bin noch nicht so weit.“ habe ich zugestimmt und sie ohne Hinterfragen wiederholt.

Vor einigen Wochen hat es Klick gemacht.

Ich verstand – und zwar nicht nur mit dem Verstand, sondern mit meinem ganzen Sein – dass es nicht darum geht, weiter zu kommen, sondern darum, sich näher zu kommen. Der Weg führt nicht linear vorwärts, sondern dahin, wo unser Kern ist. Wir sind nicht in einem messbaren Wettkampf, sondern da, um unsere Originalität zu leben. Selbstakzeptanz und Selbstliebe können wir uns nur selbst geben und wenn dies geschieht, öffnet sich die universelle Liebe gleichzeitig für alles um uns herum.

Im Januar durfte ich an einem LIP-Seminar in Goldau teilnehmen. LIP steht für Lebens-Integrations-Prozess, ist eine Form der Aufstellungsarbeit und wurde von Dr. Wilfried Nelles entwickelt. Das Seminar wurde von zwei wunderbaren Wesen geführt: Ruedi Eggerschwiler und Bettina Schneebeli.

Anders als beim klassischen Familienstellen geht es beim LIP um das eigene Sein, um die sieben Bewusstseinsstufen unseres Lebens. Der Lebensintegrationsprozess kann uns dabei unterstützen, mit unserer eigenen Biografie Frieden zu schliessen und unseren Wesenskern zu erkennen und zu akzeptieren. Dabei therapieren wir nicht, was wir als Kind oder Teenager erlebt haben, sondern sehen „einfach“ was ist und würdigen es.

Ich bin in Ordnung so wie ich bin.

Es ist ein unglaublich starkes und befreiendes Gefühl sich so anzunehmen, wie wir sind. Zu verstehen, dass wir genügen. Uns dem Leben zuzuwenden und dem, was es von uns will, anstatt dem, was wir vom Leben wollen. Den Ist-Zustand weder zu verharmlosen, noch zu dramatisieren, sondern schlicht und nüchtern anzuschauen. Denn dann realisieren wir auch, dass wir immer wieder die Kraft bekommen haben, weiterzugehen.

Der Lebensintegrationsprozess basiert auf einem Kreis, unserem Leben. Die erste Bewusstseinsstufe ist unsere Zeit im Mutterleib und zugleich unser Wesenskern. Der Samen, in dem die ganze Pflanze schon drin ist. Die siebte und letzte Stufe ist der Tod und schliesst den Kreislauf ab. Unsere Kindheit ist die zweite Stufe und zugleich eine Phase von Gefühlen und Zugehörigkeit. Sie geht über in das jugendliche Alter, die Stufe 3, in der wir beginnen uns vermehrt nach Aussen zu orientieren. In dieser Phase leben wir oft stark in Gedanken und Vorstellungen davon, wie das Leben sein sollte. Wir wollen die Kontrolle haben und merken, dass dies nicht möglich ist. Somit ist auch der Schritt von dieser Stufe zur vierten Stufe der grösste. Die Fixierung auf Kontrolle weicht dem Vertrauen. Wir lassen uns auf das Leben ein.

Bei der Aufstellungsarbeit stehen wir im Kreis auf dieser Stufe und schauen direkt zu unserem Wesenskern, der Stufe 1, der Kraft, die uns trägt. Wir befinden uns in einer Stabilität, weichen nicht aus, flüchten in keine Vorstellungen, sondern erkennen, was ist. Unser Blick ist klar und sieht von dieser Position aus den ganzen Kreislauf.

Die Stufen 5 und 6 sind weitere Reifungsprozesse, das Körperliche beginnt zurückzugehen. Wir werden weniger leistungsfähig, ziehen uns aus dem Arbeitsfeld zurück und werden gelassener.

Natürlich verläuft das Leben kaum je so klar und die Bewusstseinsstufen vermischen sich und wiederholen sich auch mal. Das geführte Hinschauen, die Unterstützung der Anwesenden und die Erfahrungen im Seminar haben mitgeholfen, mir wieder ein Stück näher zu kommen. LIP sei dank.

Hinweis zu meinem Beitrag: Ich bin keine LIP-Therapeutin. Mein Blog-Beitrag basiert einzig und allein auf meiner eigenen Erfahrung und ist eine Zusammenfassung des von mir Erlebten und von meinen, am LIP-Seminar gemachten, Notizen. Mein Dank geht an Ruedi und Bettina.