Eine Namibia-Rundreise im 4×4

Wir mögen es, offroad zu fahren, lieben das wilde oder halbwilde Zelten und die Natur sowie ein Kennenlernen fremder Kulturen. Die vierwöchige Reise letzten Sommer durch Namibia bot all das. Auf vielseitigen Wunsch beschreibe ich unsere Reiseroute und gebe gerne ein paar nützliche Tipps und Links weiter.

Den Toyota-Pickup mit zwei Dachzelten mieteten wir bei Advanced Car Hire in Windhoek und waren von A bis Z sehr zufrieden. Obwohl das Fahrzeug schon einige Jahre alt war (bei Advanced Car Hire kann man das Alter des Fahrzeugs wählen und somit auch den Mietpreis mitbestimmen) und die Strassenverhältnisse nicht optimal sind, hatten wir in den ganzen vier Wochen nie ein Problem damit. In Windhoek übernachteten wir im Guesthouse Etambi, das von der Fahrzeugvermietung empfohlen wird und sehr sympatisch ist. Vorräte kauften wir im Superspar ein, die Einkaufsquittung reichte mir vom Kopf bis zu den Füssen.

Zuerst fuhren wir südwärts und kamen nach einem lagen Tag auf sehr gerader Strasse im Garas Park Rest Camp an. Da wurden wir liebevoll begrüsst und verbrachten eine traumhafte Nacht inmitten der uralten Köcherbäume. Ein sehr empfehlenswerter Zeltplatz.

Garas Park Rest Camp

Nach einem spannenden Abstecher zum Mesosaurus Fossil-Gebiet und einem Mittagessen in Keetmanshoop, fuhren wir westwärts bis Aus, wo wir im Klein-Aus Vista unter einem wunderschönen Baum campierten. Wir hatten grosses Glück, denn es hatte am Vortag geregnet und die ganze Gegend war mit violetten Blumen überdeckt.

Blumen-Teppich bei Aus

Auf den Strassen D707 und C27, die uns traumhafte Aussichten bescherten und uns die ersten Wildtiere erblicken liessen, kamen wir zum winzigen und wenig bekannten Camping Hauchabfontein, den wir per Telefon vorausgebucht hatten. Wir stationierten uns für zwei Nächte fernab der Toursitenströme, um von da aus die imposanten Sanddünen von Sossusvlei zu erkunden. Der Plan ging auf.

Das Dead Vlei bei Sossusvlei

Via Windhoek, wo wir unseren ältesten Sohn am Flughafen abholten (er konnte erst eine Woche später kommen), fuhren wir bei einem mächtigen Regensturm über den Kuiseb Pass und genossen umwerfende Aussichtspunkte.

Fahrt durch die Berge beim Kuiseb Pass

In Walvis Bay, an der Küste, richteten wir uns im Lagoon Chalets and Caravan Park ein. Am nächsten Morgen wurden wir von Jeanne, der Besitzerin der Eco Marine Kayak Tours, abgeholt. Als Highlight der ganzen Namibia-Reise hatten wir eine Kajak-Tour zu den Seelöwen gebucht und freuten uns riesig darauf. Die sehr erfahrene Jeanne führte uns geduldig in die Seelöwen-Etikette ein und so wurde der Besuch bei den spiellustigen Jungtieren, wenn ich das so annehmen darf, auf beiden Seiten eine Freude.

Unsere Söhne umgeben von Seelöwen-Jungtieren (Bild von Jeanne)

Nach einer aufregenden, spektakulären Schlaufe durch die Mondlandschaft und auf der Welwitschia-Route, gelangten wir, anstatt auf der normalen Strasse nach Swakopmund, auf einem trockenen Flussbett (Tipp eines Einheimischen) zur entspannten Stadt an der Küste. Wir hatten auf Airbnb das ausgefallene und sehr bequeme KindArt Yard Cottage gebucht und wurden von Silke herzlich willkommen geheissen. In Swakopmund assen wir im feinen Restaurant Bits n Pizzas, füllten unsere Vorräte neu auf und machten zur Freude unserer Söhne eine Sanddünen-Quadbike-Tour, inklusive Dünen-Schlitteln.

Begeistert vom Flussbett-Offroadfahren, beschlossen wir spontan, einer feinen blauen Linie, dem Omaruru-Fluss, auf unserer Karte zu folgen. Zuerst war das Flussbett so weit wie eine zehnspurige Autobahn, wurde immer schmäler, bis, nach mehreren Stunden, der Weg durch Felsblöcke versperrt war. Wir fuhren ein paar hundert Meter zurück und fanden, zum Glück, eine wenig steile Ausfahrtmöglichkeit. Wir glaubten schon nicht mehr daran, dass wir es noch am gleichen Tag bis zum Spitzkoppe Camp schaffen würden, erstaunten uns dann selbst. Gut, dass wir vorausgebucht hatten, denn beim Spitzkoppe-Berg sind die Zeltplätze begehrt. Die nächsten Tage verbrachten wir in der einzigartigen Gegend, beobachteten Erdhörnchen und Eidechsen und kletterten durch die Felsenlandschaft.

Spitzkoppe Campsite

Nach Spitzkoppe fuhren wir zum privaten Game Reserve namens Erindi. Für den Weg dahin, nahmen wir unsere Strassenkarte und suchten Pisten, die abseits der Hauptstrassen durch die Gegend führten. Auch in Erindi hatten wir zum Glück den Campingplatz bereits reseviert, denn er ist oft schon Monate zuvor ausgebucht. Auch hier erfüllten wir uns einen Wunsch und gingen mit einem erfahrenen Wildhüter auf eine Wanderung durch den Park. Er instruierte uns vor dem Losgehen, wie wir uns verhalten sollten und was wir in einem Notfall tun müssten. Unser Ziel war es, einen Geparden zu finden und dieses wunderbare Tier ein wenig zu begleiten. Sofern das Tier es zulassen würde. Der Erindi-Park nimmt sogenannte Problem-Geparde aus der Gegend auf und gibt ihnen hier ein neues Revier. Nach einigen Kilometern entdeckten wir eine Gepardmutter mit ihren drei Jungen und blieben so lange still stehen, bis sie uns gesehen hatte. Mit einer Distanz, die den Tieren erlaubte, sich wohl zu fühlen, folgten wir der Familie. Die Mutter liess uns sogar bei der Jagd zusehen und schlief nach mehr als einer Stunde, wenige Meter von uns entfernt, ein. Ihre Kinder waren am Säugen. Für uns war es der Moment, sie in Ruhe zu lassen und wir kehrten zum Fahrzeug zurück.

Gepard-Familie im Erindi Game Reserve

Der Erindi-Park mit seinen Self-Drive-Routen und dem Wasserloch gleich beim Zeltplatz wurde neben der Kajak-Tour zu unserem Namibia-Highlight. Auch wenn der Zeltplatz nicht günstig ist, war er es jeden Namibia Dollar wert. Nach Erindi liessen wir uns treiben. Die nächste Übernachtung, die wir im Voraus gebucht hatten, war erst drei Tage später. So kamen wir ins wilde Ugab-Flussbett und übernachteten spontan im Save the Rhino Base Camp.

Von da führte eine richtige Offroad-Herausforderung zur Doro-Krater-4×4-Route und belohnte uns mit atemraubenden Aussichten, u.a. vom Brandberg, dem höchsten Berg Namibias. Um nicht vom Weg abzukommen, benutzten wir die sehr nützliche App maps.me, die auch offline tipptopp funktionierte und uns mehr als einmal in Namibia aus der Patsche half.

Wildtiere auf dem Doro-Krater-Trail

Wir fanden einen leeren Stellplatz im Madisa Camp in der Nähe von Twyfelfontein, wo wir am Abend auf einen riesigen Fels-Hügel kletterten und den spektakulären Sonnenuntergang bewunderten. Ganz unerwartet kamen wir in den Genuss einer Abkühlung im Camp eigenen Swimming Pool.

Sonnenuntergang beim Madisa Camp

Die Hoada-Campsite war uns empfohlen worden und da sie sehr beliebt ist, hatten wir sie schon Monate zuvor gebucht. Die Nächte in den Felsen, die super freundlichen Gastgeber, der kleine Pool und die Weinbar beim Aussichtspunkt sowie das Abendkonzert auf unserem Stellplatz vom lokalen Gospelchor machten diesen Ort für uns unvergesslich. Die drei Tage vergingen wie im Fluge und schon waren wir wieder startbereit. Auf der Landkarte suchten wir ein paar Offroad-Trails und starteten diese mit starkem Herzklopfen beim Palmwag-Tor. Der Wärter gab uns den Tipp, dass wenn wir in der Wildniss übernachteten, wir unbedingt ab acht Uhr im Zelt sein müssten, weil es sonst wegen der Löwen gefährlich werden könnte. Die Trails waren ein Traum für alle Offroad-Liebhaber und rechtzeitig zum Sonnenuntergang kamen wir bei einem kleinen Hochplateau an, dem Blackridge Camp. Dort übernachteten wir in absoluter Stille, menschenseelenalleine – einmalig – und befolgten den Tipp vom Wärter.

Unser Blackridge Camp

Durch das Huanib-Flussbett und zeitweise sogar durch den Huanib-Sumpf gelangten wir zurück zu belebteren Gegenden. Im Flussbett hatten wir das Privileg, eine Stunde mit Wüstenelefanten zu verbringen. Wir beobachteten sie aus einer respektvollen Distanz, sie schienen sich aber nicht an uns zu stören.

Wüstenelefant im Huanib Flussbett

Wir hatten schon vom Ongongo Waterfall Camp gehört und weil wir nicht weit davon entfernt waren, beschlossen wir zu schauen, ob sie einen Platz für uns hätten. Kurz darauf, eingerichtet auf dem Stellplatz neben dem hübschen Fluss, schwammen wir im natürlichen Pool und erfrischten uns unter dem warmen (!) Wasserfall. Herrlich.

Eigentlich wollten wir am nächsten Tag zum berühmten Etosha-Park, beschlossen aber spontan, weiter nördlich zu fahren. In Opuwo kauften wir noch einmal Vorräte ein und nahmen die Piste, die uns zum Kunene-Fluss, der Grenze zu Angola, führen würde. Beim berühmten Epupa-Wasserfall besetzten wir den letzten freien Stellplatz direkt neben dem Fluss und genossen ein Glas Wein beim tosenden Wasserfall. Was für ein herrlicher Abend.

Epupa Wasserfall – Kunene Fluss

Am Fluss entlang führte eine abenteuerliche Strasse mit beeindruckenden Aussichten in wenigen Stunden nach Ruacana, wo wir eine Schnellstrasse in den Süden erreichten. Am späten Nachmittag kamen wir zum Galton Gate, dem westlichsten Eingang zum Etosha Park und fragten nach einem Zeltplatz. Gleich gegenüber hatte es ein paar Stellplätze an einem Wasserloch, wo tatsächlich den ganzen Abend eine Löwensippe brüllte und uns schnell in die Zelte verschwinden liess.

Den Etosha-Park durchquerten wir in einem langen Tag, sahen unzählige Wildtiere, waren vor allem von den belebten Wasserlöchern fasziniert. Nach Sossusvlei war Etosha der zweite Ort mir vielen Touristen, sonst waren wir auf der ganzen Reise kaum Ausländern begegnet. Wir übernachteten gleich ausserhalb im Onguma Tamboti Camp, bevor wir den langen Weg auf guten Strassen zurück nach Windhoek antraten. Beim Flughafen verabschiedeten wir uns vom freundlichen Mann der Fahrzeugvermietung mit dem typischen Namibia-Handschlag (siehe Film) und flogen via Doha zurück in die Schweiz.

Wasserloch im Etosha-Park

Zum Namibia-Fotoalbum und Film.

2 Kommentare

  1. Das kommt gerade zum richtigen Zeitpunkt – bei uns steht im April in Namibia-Roadtrip an und wir freuen uns schon riesig, auf die offroad Strecken (und bin gespannt, wie es uns im Vergleich zum Oman gefällt :))

    • nadinehudson

      Das freut mich und ich hoffe, ihr könnt den einen oder anderen Tipp mitnehmen. Gute Reise.

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