Das Universum richtet es

Es gibt da eine Geschichte, die ist ziemlich unglaublich und zudem ist sie wahr. So wahr wie die Schweizer Uhrzeit, die auch fast immer stimmt. Die Geschichte ist mir vor einiger Zeit passiert, lasst mich erzählen…

Es gibt im Dorf so ein schnuckeliges Häuschen, das mich magisch anzieht. In der Tat sieht es aus wie ein Hexenhaus aus Lebkuchen, vielleicht ist es wirklich verzaubert. Es ist klein, alt, so ziemlich alles daran ist krumm und ungewöhnlich. Es scheint und glänzt nicht, im Gegenteil, es geht, umrahmt von modernen Wohnblöcken, fast unter. Wenn ich Leuten davon erzählen, fragen sie Wo? Welches? 

Für mich ist es das schönste Haus der Welt

Wenn man sich verliebt, dann verliebt man sich! Und in der Liebe wird alles schön. Das hübsche Häuschen glänzt in meinen Augen. Es ist lieblich, es ist perfekt. Ich kann mir so gut vorstellen, darin zu wohnen. Und genau das tat ich während Monaten: Ich visualisierte unseren Einzug. Stellte mir vor, wo wir unsere Möbel platzieren würden (dabei habe ich keine Ahnung, wie es innen drin aussieht!). Ich sah, wie ich an der Tür stand, als meine Kinder von der Schule heimkehrten, wie wir gemeinsam im kleinen Gärtchen ein paar Blumen pflanzten und auf der Terrasse eine Tasse Tee schlürften.

Das war so um die Zeit, als ich, nach langem Drängen meines Umfelds, das Buch The Secret von Rhonda Byrne las.

Bestell im Universum und es wird wahr

So ungefähr heisst die Botschaft des Bestsellers. Damit es wirkt, braucht es einen innigen, aufrichtigen Wunsch. Am besten, so steht es geschrieben, macht man sich davon ein inneres Bild. Wenn man es so richtig will, wird es geschehen. Aber… fragte ich – wie gewöhnlich skeptisch und zweifelnd – die Seiten des Buchs, die sich, zugegebenermassen wie von alleine lasen: Wenn wir das Häuschen kriegen täten, was würde denn mit den Leuten passieren, die jetzt da wohnten? Ich fand die Vorstellung, dass jemand gezwungen wurde, sein Leben auf den Kopf zu stellen, nur weil ich unbedingt das Seine wollte, sehr unangenehm. The Secret meinte dazu, dass es das Universum richten würde und ich mir darüber keine Sorgen machen musste. Es könnte ja sein, dass es auch für die jetzigen Mieter einen Vorteil bringen würde, auszuziehen.

Ich war nicht überzeugt. Eine Freundin riet mir, es selber in die Hände zu nehmen. „Warum schreibst du nicht einfach einen Brief und legst ihn in den Briefkasten des Häuschens. Darin erklärst du, wie sehr dir ihr Zuhause gefällt und dass du bitte auf eine Liste möglicher zukünftiger Mieter aufgenommen werden möchtest. Einfach im Fall, dass sie jemals ausziehen wollen. Vielleicht tust du ihnen damit sogar einen Gefallen. Vielleicht suchen sie ja bald schon Nachmieter?“ Diese Lösung fand ich pragmatisch und plausibel. Mit viel Elan und positiver Energie schrieb ich spontan eine nette Notiz und legte sie den Briefkasten der Unbekannten.

Die erste Woche wartete ich gespannt, dann begann ich zu schwitzen

Das Schweigen nahm ich als schlechtes Zeichen. Ich stellte mir vor, wie sich die Leute im Hexenhäuschen von mir bedrängt fühlten. Sie hatten es sich bequem gemacht, sich herzig eingerichtet und nun stand plötzlich jemand da, der sich wünschte, dass sie wegzogen. Vielleicht dachten sie, ich sei so eine Art von Monster. Was hatte ich nur getan!

Jedes Mal, wenn ich am Häuschen vorbeilief, duckte ich tiefer. Sollte ich läuten und mich erklären? Ich ahnte, dass es die Situation noch schwieriger machen würde. Ich bin ein wenig dafür bekannt, ein ohnehin schon blödes Loch noch tiefer zu graben. Also tat ich das einzig Richtige: Ich annullierte meine Bestellung beim Universum. Ich lies los, löste mich vom Gedanken, wie schön es wäre, da zu wohnen. Wie sehr ich den Garten genossen und wie lieblich wir uns eingerichtet hätten. Ich will das Haus nicht mehr, wiederholte ich mein neues Mantra wieder und wieder.

Dann half mir das Universum aus

Am Tag vor Weihnachten begegnete mir ein kleines, verlaustes Kätzchen. Das schwarze Jungtier stellte sich direkt vor mich hin und miaute und zwar genau im Eingang des Lebensmittelgeschäfts. Während dem ich einen Einkaufswagen schnappte, strich mir das Kätzlein um die Beine. Ich ging in die Hocke und streichelte das Tier, das so laut schnurrte, dass es das ganze Dorf hören konnte. Es brauchte keinen Experten um festzustellen, dass die Katze schon länger heimatlos war. Ich suchte nach einem Halsband oder einer Adresse. Nichts. Ich fragte die Passanten, die Leute vom Geschäft, die Bäckereiangestellten. Niemand wusste, woher die Katze kam, nur, dass sie schon lange herumstreunte und Hilfe brauchte. Ich beschloss, das Tier nach Hause zu nehmen und den Tierarzt zu kontaktieren. Mit seiner Hilfe würden wir das herzige Kätzchen zu seiner Familie zurückführen.

Zielstrebig nahm ich das Tier in meine Arme, was sie sich gerne gefallen liess und betrat die Bäckerei. Es war mir ein Anliegen, jemanden in meinen Plan einzuweihen. Es könnte ja sein, dass die Besitzer der Katze plötzlich nach ihr fragten. „Nadine Hudson“, wiederholte ich, während die Verkaufsdame meinen Namen und meine Nummer notierte. „Falls sich jemand wegen dem Jungtier meldet, ruft mich bitte an.“ Sie fanden es nett, dass ich mich um das Tier kümmerte. Trotz der Aufregung bemerkte ich, dass mich ein älterer Herr beobachtete. Vor allem als er meinen Namen hörte, schien er mich eindringlich zu mustern.

Er verliess die Bäckerei ein paar Schritte vor mir und der Katze, die in meinen Armen fast eingeschlafen war. Ich dachte mir nicht viel dabei, bis ich sah, wohin er eilte. Mit dem Schlüssel bereits gezückt, öffnete er die Tür meines Häuschens. Er war der Bewohner.

Er war der Empfänger meines Briefs gewesen!

Die Gefühle, die das in mir auslöste, konnte ich im Moment nicht ordnen. Zuerst musste ich das Katzenproblem lösen. Erst später, nach dem Besuch beim Tierarzt, als wir gemeinsam mit dem schlafenden Kätzchen auf dem Sofa sassen, wurde mir bewusst, was geschehen war. Der Mann, für den ich bis anhin eine gesichtslose, komische Nummer gewesen sein musste, wusste nun, wer ich war. Er wusste, dass mein Herz für Tiere schlug, dass ich nie und nimmer an einem hilfesuchenden Wesen vorbei gehen könnte, dass ich die Mühe auf mich nahm, Gutes zu tun. Endlich musste ich mir keine Sorgen mehr machen!

Das Universum hatte es perfekt gerichtet!

PS. Die Besitzer des Kätzchens liessen sich nicht ausfindig machen. Das herzige Tier lebt seither bei einer neuen, liebevollen Familie.

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