Der Sinn meines Lebens

Ich übertreibe nicht, wenn ich euch erzähle, dass ich Jahre damit verbracht habe, den Sinn meines Lebens zu suchen. Ach, wie hätte ich mir gewünscht, dass ein modernen Mister Miyagi bei mir anklopft um mir die Richtung zu zeigen. „Da geht’s lang, dort findest du deine Bestimmung.“ Aber er kam nicht, den gibt’s nur im Film.

Warum – gopfridstutz – bin ich auf dieser Welt?

In meiner Jugend hatte mich die Frage kaum in Ruhe gelassen. Ich war von der Suche danach so besessen gewesen, dass ich beinahe vergessen hätte, zu leben. Es musste doch einen Grund geben. Einen höheren Sinn. Einen Zweck. Warum sonst wäre ich hier?

Mit dem Alter kam mehr Gelassenheit. Die Fähigkeit einfach zu sein. Ich empfand es nicht mehr als nötig, meine Anwesenheit rechtfertigen zu müssen. Ich war da und das reichte. Ich hatte meinen Weg gefunden. Oder besser gesagt, ich hatte viele Wege gefunden: Einige führten ins Nirgendwo, andere zu Kreuzungen und andere wiederum zu tiefer Zufriedenheit. Loszulassen war mir gelungen.

Jahre vergingen und ohne es zu merken oder anzustreben, hatte sich ein Grund gefunden, ein Sinn ergeben, ein Zweck herauskristallisiert. Aber es kümmerte mich nicht mehr. Die Richtung zeigte sich wie von alleine, ich brauchte weder eine Karte, noch einen Wegweiser. Nur das Vertrauen. Jeder Moment brachte mir genau das, was ich benötigte, um den nächsten Schritt zu gehen. Auch ohne offensichtlichen Grund. Mister Miyagi, du kannst dir deine Worte sparen!

Und dann kam der Mister Miyagi doch

Und zwar ganz unerwartet. Wieder einmal durfte ich letztes Wochenende ein Trance-Seminar der Medialen Akademie in Einsiedeln übersetzen. Bill Thomson, internationales Medium, spricht  Schottisch. Bill ist fantastisch. Wenn er sich in Trance versetzt und Botschaften vom Jenseits überbringt, erkennt man ihn kaum mehr. Sein Gesicht verändert sich dermassen, dass es sogar den grössten Zweifler zum Denken bringen würde. Wenn er in Trance spricht, verwandelt sich sein schottischer Akzent in einen der britischen High Society. Am Sonntag, während einer Übung, als gerade alle Teilnehmer beschäftigt waren, überbrachte mir Bill eine Botschaft aus dem Jenseits.

Er sprach langsam und sorgfältig, damit ich kein Wort verpassen würde und erklärte mir den Zweck meines Lebens. Einfach so, in zehn Minuten, mit Sätzen, die so ehrfürchtig wie treffend waren. Er beschrieb meinen Weg, die Vorbereitungen dazu, die schon in meiner Kindheit begonnen hatten. Er bezog sich auf die letzten paar Monate, in denen grosse Veränderungen stattgefunden hatten. Und schliesslich schloss er ab, in dem er den Sinn meines Lebens in einem Satz wiedergab.

Einem einzigen Satz

Er sagte nichts Neues, ich war selber in den vergangenen Jahren auf diesen Schluss gekommen, aber er bestätigte mir, dass es sich gelohnt hatte, meinem Instinkt zu vertrauen. Ich befand mich auf dem richtigen Weg. Es war, als klopfte mir das Jenseits auf die Schulter. Gut gemacht, weiter so! Ein wenig schmunzeln musste ich trotz allem: War es nicht bezeichnend, dass mich diese Botschaft erst jetzt erreichte, obwohl ich mich so lange danach gesehnt hatte? Jetzt, nach dem ich selber darauf gekommen war und mitten drin steckte?

Es kam mir vor, als hätte ich lange versucht Abkürzungen zu nehmen, aber das hatte nicht geklappt. Erst als ich dies einsah und akzeptierte, dass nur die strenge Wanderung mit steilen Strecken und ab und zu bequemen Picknickorten zum Ziel führte, hatte sich der Weg gezeigt. Grad heftig: so mit blinkender Anzeige und dicken Pfeilen. Was der Sinn meines Lebens ist, das verrate ich euch nicht. Das geht nur mich etwas an. Aber, dass jeder, der sich mit viel Vertrauen auf den Weg macht seinen eigenen, persönlichen Sinn finden kann, das versprech‘ ich euch.

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