Von den Kindern lernen

Ich hatte mir nie überlegt, ob ich Kinder möchte. Hätte mich jemand gefragt, hätte ich wohl eher Nein gesagt. Oder vielleicht ein Ja, aber… Das war bevor ich Michael kennenlernte. Danach war es irgendwie klar, dass wir eine Familie wollten. Desmond liess ganz schön auf sich warten. Lenny folgte schnell. Als die Zwei klein waren, blieb mir nicht viel Zeit zum Denken. Es ging um Liebe, Führung und Vertrauen. Jetzt sind sie bald erwachsen und ich schaue zurück.

Kinder zu haben, war die beste Tat meines Lebens

Denke ich an unsere Söhne, bin ich dankbar. Sie haben unsere Leben bereichert, verzaubert und mit Sinn und Fragen beschert. Durch sie, dank ihnen, habe ich vieles überdacht und neue Erkenntnisse eingelassen. Ich habe unendlich viel gelernt und lerne fast täglich dazu.

Da wär mal das Offensichtliche: Desmond hat mich angestossen und motiviert mehr Sport – oder Sport überhaupt – zu treiben. Lenny hat mich die Geschichte der Alten Ägypter gelehrt. Wie benützt man Snapchat? Welche Musik ist inn? Nein, das ist kein Skateboard, es ist ein Longboard. Instagram ist doch nicht für Bilder! Wer hat schon Bock auf Facebook?  Was läuft im Kino? Wie bedient man die Playstation, in unserem Fall um DVDs zu schauen. Warum ist Street Art nicht Graffiti. … Die Liste geht weiter, aber das würden wir auch ohne die Jungs meistern. Was aber wirklich zählt, sind die anderen Dinge, die ich durch oder von ihnen lerne.

Die Dinge zwischen den Linien des Alltags

Gefühle. Bedürfnisse. Ängste. Vertrauen. Toleranz. Verständnis. Es gibt Momente, in denen ich flattere. Rufe aus, beklage mich, meckere herum, fordere, suche Sündenböcke, sorge mich. Das nehmen die Zwei nicht hin. Sie setzen mir einen Spiegel vor und werfen die unausgesprochene, jedoch nichtsdestotrotz  sichtbare Frage in die Luft: Ist das wirklich an uns gerichtet oder gründet es sonstwo?

Sie bringen mich zum Nachdenken. Bin ich mies gelaunt und lasse es an meinem Umfeld aus? Mache ich mir Sorgen, was andere denken könnten und versuche die Jungs nach diesen gesellschaftlichen Massstäben zu biegen? Liegt meine Reaktion an einem Mangel an Vertrauen? Soll ich loslassen oder annehmen?

Sie haben mich darin geschult, besser zu sinnen, meine Bedürfnisse zu differenzieren und präzise zu formulieren. Neutral zu bleiben. Das zu trennen, was meins ist von dem, was wirklich an sie adressiert sein soll.

Sie fordern mich auf, die Dinge im Leben richtig zu tun, nicht halbherzig. Fair zu bleiben, auf Augenhöhe zu kommunizieren. Vertrauen zu üben, ihnen gegenüber, der Welt gegenüber. Viele hatten gewarnt, dass die Pubertät der eigenen Kinder kein Zuckerschlecken sei. Das ist es auch nicht. Es ist eine Lebensschule für mich, die ich dankend und gespannt weiterhin annehme.

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