USA – Mexiko

Der State Park in Südkalifornien war uns empfohlen worden. Von ihm war es nicht mehr weit nach Mexiko, unserer nächsten Destination. Wir suchten für unser Wohnmobil ein schattiges, schönes Plätzchen unter einer uralten Eiche, schlossen ab und liefen zum Ranger-Häuschen beim Campingeingang.

”Sollen wir gleich bezahlen?”, boten wir dem Ranger an, der sich als Bill vorgestellt hatte. Er schüttelte den Kopf und zeigte mit seinem Finger auf den Eingang: “Da drüben steht ein Briefkasten. Nehmt einen Umschlag, steckt die Gebühren rein und werft ihn morgen, bevor ihr den Park verlässt, in den Kasten.“ Dieses unkomplizierte Prozedere war in vielen Amerikanischen Parks üblich.

„Früher habe ich persönlich einkassiert, aber das darf ich nicht mehr. Das System mit den Umschlägen spart Personalkosten. Scheiss drauf, ich könnte euch ein Lied davon singen!” Bill schaute grimmig drein. Wir erklärten, dass wir gerne mehrere Tage bleiben wollten.

Bill zeigte auf unsere Kinder: “Beim Eingang hat es einen riesigen Spielplatz, wäre schön, wenn der mal einen Besuch bekäme. Die Leute mit den riesigen Wohnmobilen und den fetten Geldtaschen zahlen lieber sechzig Dollar pro Nacht, um auf dem privaten Campingplatz mit Satellitenempfang und Schwimmbad zu übernachten, anstatt bei uns im grünen State Park.“

Kaum hatte Bill seine Rede beendet, hörten wir das laute Geräusch eines Helikopters und sahen den Flieger Sekunden später am Himmel.

“Die suchen nach Mexikanern, tagein, tagaus. Seht ihr den langen Zaun da drüben? Das ist die Grenze. Die patrouillieren ununterbrochen. Da kommt kein Illegaler rein. Blutjunge Polizisten, noch pubertierend, direkt ab der Schule, werden eingestellt. Sie sind geil aufs Schiessen, nervös halten sie ihre Hände auf den Pistolen. Ich sehe es in ihren Augen, die wollen Action. Manchmal kommen die bei mir im Rangerhaus vorbei und suchen nach versteckten Immigranten. Dann sehe ich das Zucken in ihren schussbereiten Fingern.“ Der Ranger geriet mehr und mehr in Fahrt. „Seht ihr den Aufkleber da drüben?“ fuhr er fort. Warum hat es Geld für Krieg, aber keines für die Schulen?, stand darauf.

Bill schüttelte den Kopf: „Unsere Subventionen werden dauernd gedrückt und öfters gestrichen. Aber für die Helikopter hat es immer Kohle.” Nachdenklich fragten wir, ob es keine Möglichkeit wäre, die günstigen Übernachtungsgebühren des Parks zu erhöhen, um selbsttragender zu werden.

“Ha, dann musst du die Camper zuerst dazu bringen, überhaupt zu bezahlen! Viele schleichen sich aus dem Park, bevor ich meine Runde drehe. Wie die wilden Kaninchen, die vorm Kojote wegrennen.“

(aus meinem Reisetagebuch: Gespräch mit Bill dem Parkranger, USA, 2011)

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