Roboterkamelrennen

Roboterjockey

Das Handzeichen für Halsaufschlitzen ist universal und international. Die lachende Frau, die hinter ihrem Ehemann auf einer Picknickmatte sitzt, macht damit klar, was ihr Liebster zu erwarten hat, sollte er eine zweite Frau heiraten. Er hat sich soeben bei uns nach Schweizer Frauen erkundigt, die in die Emiraten ziehen möchten. Ernst ist ihm dabei nicht wirklich, das Paar neckt sich gerne, zärtlich streicht er ihr über die Backe und sie legt ihren Kopf in seinen Schoss. Beide tragen lange Roben, seine ist weiss, ihre ist blau.

Wir lernten die Familie mit ihren vier Kindern im Südosten Omans kennen. Auch sie waren in den Ferien und mieteten die Wohnung neben der unseren. Kaum hatten sie uns zum ersten Mal gesehen, luden sie uns zum Picknick am Strand ein. Zuerst gab es Safrantee, das führte zum Abendessen und noch mehr Safrantee.

Stereotypieren ist doof

Die drei Söhne, zwei Teenager und ein Nesthäkchen, gesellten sich zu uns, die Tochter, 12, bleibt in der Wohnung zurück. Und weil auch wir nicht ganz frei sind vom Stereotypieren, nehmen wir sofort an, dass es ihr nicht erlaubt ist, mit fremden Männern zu picknicken. Schliesslich sind unsere Jungs fast im heiratsfähigen Alter… Wir fragen nach. „Sie ist so was von einem typischen Teenie“, meint ihre Mutter gelassen, „verbringt ihre Zeit lieber auf Instagram und YouTube als sich zu uns zu gesellen.“

Roboterjockeys

Der Papa zeigt uns Bilder auf seinem iPhone von seiner Farm. Sie wohnten zwar in den Emiraten, hatten aber in Oman einen grossen Bauernhof mit vielen Angestellten. 250 Schafe, 50 Kamele und unzählige Dattelpalmen. Das beste aber seien seine Rennkamele. Er zieht seinen Finger von rechts nach links zum nächsten Bild. Es zeigt ihn in seinem Pickup-Truck und einem Walkie-Talkie. Er strahlt wie ein kleiner Junge, der sein erstes ferngesteuertes Auto bekommen hat. Hinter ihm steht eines seiner Kamele. Da, wo sonst der Reiter sitzen würde, hockt ein kleiner Roboter.

Ich bitte ihn, das Bild zu vergrössern. So was habe ich noch nie gesehen. „Reitet ihr die Kamele nicht selber?“ Er erklärt uns, wie es geht im modernen Zeitalter. Ein winziger und federleichter Roboter wird auf dem Kamelsattel befestigt. Er hat einen Lautsprecher und eine Peitsche. Der Jockey fährt im Pickup-Truck nebenan und spricht die Befehle ans Kamel ins Walkie-Talkie. Mit einem Joystick bedient er die Peitsche. Vom ferngesteuerten Auto zum ferngesteuerten Kamel. Das arme Tier, aber vielleicht ist es für das Kamel sogar angenehmer als einen schweren Menschen zu tragen.

Er spielt ein kurzes Video ab. All seine Freunde und Rivalen haben sich versammelt und fahren mit rund zehn Fahrzeugen neben der Rennbann her. Die Kamele rennen brav mit. Papa strahlt: „Bist du sicher, dass du keine Frau für mich kennst?“

 

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