Gar nicht so doof

Vor bald 20 Jahren war ich wieder einmal unterwegs – wie ich so oft zuvor und noch viel öfters danach. Damals tuckerten mein Mann Michael und ich, frischverliebt, durch Asien und füllten Tagebücher. Echte. Das war in der Zeit vor den Blogs.

Gestern nahm ich so ein Tagebuch zur Hand und las eine Geschichte:

Ich sass in einem Bus als mir plötzlich alles klar wurde. Und es schien so einfach zu sein. Ich fragte wie, wie ich all das hatte wissen können ohne es jemals zu verstehen. Es fühlte sich an, wie wenn ich einen Schlüssel zu einem grossen Tor entdeckt hätte.

Monatelang hatte ich MEHR gesucht, wie ich es zu nennen pflegte. Ich suchte es überall, versuchte verschiedene Tricks, um es zu finden. Etwas fehlte. Ich war steckengeblieben, in einer Sackgasse. Verzweifelt schien es, dass ich wertvolle Zeit verschwendete.

Im Bus sitzend, verstand ich, dass es helfen würde, wenn ich wüsste, nach was ich suchte. Als nahm ich einen Stift und Papier zur Hand und schrieb auf wackelnden Knien eine Liste von Dingen, die mein MEHR definierten:

  • Freiheit – frei von Angst, Wut, Schuld, Eifersucht und Materiellem
  • Selbstvertrauen – unabhängig von Lob anderer
  • Friede – in meiner Mitte bleiben ohne gestresst zu werden
  • Intuition – Entscheidungen aus dem Bauch treffen, dem Gefühl folgen
  • Mitgefühl – für die ganze Schöpfung, auch unangenehme Menschen
  • Eigenverantwortung – Konsequenzen akzeptieren
  • Liebe – das Universum und alles, was dazu gehört
  • Vergebung – mir selbst und allen anderen
  • Verständnis – für die Dinge, die sich nicht erklären lassen
  • Vertrauen – alles wird gut
  • Achtsamkeit – bewusst sehen, hören, riechen, fühlen

Als ich die Liste komplett hatte, wurde mir klar, dass ich meine Suche beenden konnte und mit dem Leben und somit mit der Veränderung beginnen konnte. Dazu brauchte ich keine spezielle Umwelt, alles, was ich benötigte, war bereits da. So schaute ich mir die Liste noch einmal durch und notierte, was ich bereits gelernt hatte, was noch Übung brauchte und was ich noch gar nicht begriffen hatte. Das Bewusstsein meiner aktuellen Situation diente mir als Wegweiser. Ich akzeptierte, dass schwierige Situationen dazu dienten, uns noch rascher lernen zu lassen und nahm sie als Herausforderung an, anstatt Mitleid mir mir zu haben. 

Was für eine Busfahrt. 

Und heute?

Ein wenig stolz war ich schon, als ich gestern den Eintrag las. Tatsächlich hatte ich in allen Punkten der Liste enorme Fortschritte gemacht. Ich konnte mir kaum mehr vorstellen, dass dies jemals anders gewesen war. Es gibt Menschen, die mir vorwerfen, dass ich früher anders gedacht hatte oder andere Werte vertreten hatte. Ich bedanke mich jeweils für solche Äusserungen, denn Veränderung nehme ich als Kompliment.

Was bleibt, ist die Wichtigkeit der elf Begriffe meiner Liste. Nach wie vor bilden diese Eigenschaften das Zentrum meines Seins. Und nach wie vor arbeite ich daran, mich noch mehr zu ändern.

Was ist euch wichtig?

 

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